Farnkraut

Farn, Fingerwurz, Flehkraut, Flohkraut, Otternkraut, Teufelsleiter, Wanzenkraut
Weltwet sind rund 12 000 Arten bekannt,  in Europa sind ca.170 Arten heimisch und  in Mitteleuropa ca 100 Arten.

Im Karbon (vor etwa 360–300 Millionen Jahren) bildeten Farne (in grösserer Form als heute, meist Baumfarne genannt) zusammen mit Schachtelhalmen und Bärlapppflanzen riesige Wälder und schufen die Basis für die heutigen Steinkohle-Vorkommen. Die ältesten fossilen Funde stammen aus dem unteren Devon (vor etwa 400 Millionen Jahren). Farne sind somit wahrscheinlich älter als die Samenpflanzen, die erstmals im oberen Devon auftraten.
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Im Juragarten sind 11 verschiede Arten angesiedelt.

 Zitat von Prof. Dr. hc. Karl Foerster:
"Eigentlich erst durch Farne verschreibt man sich der letzten und vollsten Bejahung des Gartenschattens....
Diese Wunderwelt rhythmischer Filigranentfaltung aus schönstem Grün von Frühling bis Herbst, das in vielen Arten immergrün bleibt, ist den meisten Gartenmenschen nach wie vor noch unbekanntes Land, obwohl die Pflanzen mit einer Kraft der Unverwüstlichkeit und Dienstwilligkeit ohne Pflege auf ihren Gartenplätzen warten "


Der Farn

Dort, wo der Wald auch licht,
da ist der Farn zu Haus.
Wo sich die Sonne bricht,
da breitet er sich aus.

Die grünen zarten Wedel,
sie zittern leicht im Wind
und wirken schön und edel
als Waldes liebstes Kind.

In herrlichsten Nuancen
fällt durch die Kronen Licht,
so macht der Wald Avancen
und scheut den Aufwand nicht.

Erst wenn zum Jahresende
ganz eisig Winde weh'n,
kommt auch für ihn die Wende,
man sieht ihn leis vergeh'n.
c: Klaus Eder
Der Farn
Der zarte Farn liebt kühlen Schatten,
Freut sich dennoch über Licht,
Das gauklerisch gespenstisch flimmernd
Durch die Fiederblätter bricht.


Er sah die frühesten Epochen,
Urweltechsen, Bärlappwiesen.
Die Wälder kannten keine Fichte,
Farne wuchsen an zu Riesen.


Die grünen Wedel fächeln heute
In der kleinsten Waldeslichte.
Bedenken ihre tragend große
Rolle in der Erdgeschichte.
c:Ingo Baumgartner
Wie der Farn geschaffen wurde

Der Herrgott spürte Aufbegehren,
Beschwerden gab's am Waldesrand.
So liess er Petrus (grau in Ehren)
erkunden, was zur Rede stand.

Die Junggewächse (Tannen, Fichten)
auch Kleingetier erhob Protest.
Gefordert wurde, auszulichten,
was Schatten wirft und darben lässt.

Gott Vater schlitzte Blattgebilde
zu Kämmen, frei für Strahlenfluss.
Wie dankbar war die Moosweltgilde,
zum Himmel hauchte mancher Kuss.

Der Bote Gabriel liess feiern,
er zechte mit den Engelsscharn.
Fanfaren, hörte man sie leiern,
Fanfnaren, Fnaren, Faren, Farn.

© Ingo Baumgartner

 

Geschichte und Mythen


Farne wurden schon immer als sehr mystische, zauberkräftige Pflanzen verehrt. Farne galten als heilige Pflanzen, die für verschiedene magische Zwecke verwendet wurden. Gerne bezeichne ich den Farn als Hexenkraut. Warum für die Menschen das Farnkraut als Zauberkraut galt, hat verschiedene Ursachen. Einerseits dürfte die spiralige Form des jungen Krautes verantwortlich dafür sein. Das Symbol der Spirale ist ein sehr altes, sehr bedeutungsvolles Symbol. Es steht für fortlaufendes Wachstum, für Weiterentwicklung auf immer höherer Ebene, aber auch für den immerwährenden Kreislauf des Lebens, Schon immer galt die Spirale als Symbol für das Leben und für das Glück. Und so galt auch das Farnkraut, dass sich spiralförmig entrollt, als Glück bringendes und lebenserhaltendes Kraut.

Besondere Bedeutung kommt auch den Fransporen zu, die an der Unterseite des Farnwedels sitzen und goldgelben Staub enthalten. Sie beinhalten ja das Geheimnis der Fortpflanzung des Farnes. Schliesslich bildet der Farn keine Blüten und Samen, wie alle anderen Pflanzen, aus. Auch dieser Umstand war für den früheren Menschen wohl sehr „zauberhaft“. Jedenfalls galten diese Farnsporen als besonders zauberkräftig. Mit Farnsamen in der Tasche wurde jedermann reich und glücklich. Außerdem konnte man mit Hilfe der Farnsamen (Sporen) die Tiere verstehen und sogar unsichtbar werden, wie es in folgender Geschichte beschrieben wird:

Aus dem reichen Sagenschatz des Pater Willibald Leeb

"Der Farn
In der Johannisnacht um Mitternacht von elf bis zwölf geht der Farnsamen auf, blüht und fällt er. Er hat die Eigenschaft, dass er einen unsichtbar machen kann. Da ist einmal ein Mann eben um diese Zeit, als der Farnsamen gefallen ist, durch den Wald mit den Ochsen nach Hause gefahren und es ist ihm so ein Samen des Farnes in den Schuh gefallen. Jetzt als er nach Hause gekommen ist, haben seine Leute wohl das Fuhrwerk gesehen, aber ihn haben sie nicht gesehen. Erst als er in der Stube drinnen die Schuhe ausgezogen hatte, haben sie ihn wieder gesehen, die Schuhe aber wo der Samen drinnen war, blieben unsichtbar. Wenn man in der Johannisnacht (24. Juni) im langen, weiss blühenden Farn umhergeht und einem ein solcher Farnsamen in die Schuhe fällt, so ist man unsichtbar."


Hildegart von Bingen meint:
Der Farn ist warm und trocken und hat auch ein mittleres Mass an Saft. Der Teufel flieht die Pflanze, und sie hat gewisse Kräfte, die an die der Sonne gemahnen, weil sie wie die Sonne das Dunkle erhellt. Sie vertreibt so Trugbilder, fantasias, und deswegen lieben sie die bösen Geister nicht. An dem Platze, an dem sie wächst, übt der Teufel sein Gaukelspiel selten aus, und das Haus, an dem der Teufel ist, meidet und verabscheut sie. Blitz, Donner und Hagel fallen dort selten ein, und auf dem Acker, auf dem sie wächst, hagelt es selten. Wer den Farn bei sich trägt,
ist sicher vor den Nachstellungen des Teufels und vor bösen Anschlägen auf Leib und Leben. 


Blumensprache:
"Ich mache nicht gern lange Worte"
"Ich rede nicht viel..."

Wir brachen die Farne

Wir brachen die Farne
zu Mitternacht,
mitten im dunkelsten Walde.
Der Mond war verhanden
und lange schon
ruhten die Gräser,
die bangen.

Wir brachen die Farne
und trugen sie heim
und schufen
ein sanftes Lager.
Doch nicht
um zu schlafen:

Wir liegen
und lauschen
dem murmelnden Bach
und schauen
und halten
die Träume uns wach.
c: Ingrid Streicher



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